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Untersuchung manueller Interventionen bei Säuglingskoliken: Eine Übersichtsarbeit zur Evidenz

Exploring Manual Interventions for Infantile Colic: A Scoping Review of the Evidence
2025
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Roberto Tedeschi (1), Federica Giorgi (2)

1) Unabhängiger Forscher, Bologna, Italien
2) Abteilung für physikalische Medizin und Rehabilitation, Universitätsspital Poliklinik Sant'Orsola-Malpighi, Bologna, Italien

Hintergrund

Säuglingskoliken betreffen bis zu 40 % der ansonsten gesunden Säuglinge und können für die Betreuungspersonen eine grosse Belastung darstellen. Manuelle Therapien werden zunehmend als nicht-pharmakologische Optionen eingesetzt, ihre Wirksamkeit und Sicherheit sind jedoch nach wie vor ungewiss.

Methoden

Es wurde eine Scoping-Review gemäss der Methodik des Joanna Briggs Institute durchgeführt und gemäss PRISMA-ScR beschrieben. Fünf Datenbanken (MEDLINE, CENTRAL, Scopus, PEDro, Web of Science) wurden von Dezember 2024 bis Mai 2025 ohne Einschränkungen in der Suchphase durchsucht; jedoch wurden in der Eignungsphase nur englischsprachige randomisierte kontrollierte Studien berücksichtigt, die ab 2012 veröffentlicht wurden, um Konsistenz zu gewährleisten und den Fokus auf die aktuellsten Erkenntnisse zu legen. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zur Bewertung von manuellen Interventionen bei Säuglingen ≤ 6 Monaten mit Koliken wurden berücksichtigt. Zwei Gutachter prüften unabhängig voneinander die Datensätze, erstellten Diagramme und gruppierten die Ergebnisse narrativ.

Ergebnisse

Sieben RCTs untersuchten Bauchmassagen, pädiatrische Tuina, Craniosacral Therapie, chiropraktische Manipulation, osteopathische Leichtberührung, Reflexzonenmassage und Akupressur. Fünf Studien berichteten über statistisch oder klinisch signifikante Verringerungen des täglichen Weinens (0,6 - 6,6 Stunden) im Vergleich zur üblichen Versorgung oder Scheinbehandlung. Drei Studien dokumentierten auch bedeutende Verbesserungen der Schlafdauer (1,1 - 2,8 Stunden). Die von den Eltern berichtete Zufriedenheit verbesserte sich bei den meisten Interventionen. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse verzeichnet, obwohl die Sicherheitsüberwachung uneinheitlich berichtet wurde. Eine erhebliche Heterogenität bei den Diagnosekriterien, den Ergebnismassen und der Interventionsdosis schloss eine Metaanalyse aus.

Schlussfolgerungen

Manuelle Therapien mit geringer Krafteinwirkung können bei Säuglingen mit Koliken eine moderate kurzfristige Linderung bewirken und die Erfahrung der Eltern verbessern, wobei das Sicherheitsprofil offenbar günstig ist. Methodische Variabilität und kleine Stichprobengrössen schränken jedoch die Sicherheit ein. Standardisierte Protokolle, objektive Ergebnismasse und eine robuste Überwachung unerwünschter Ereignisse sind Prioritäten für die zukünftige Forschung.